Exasol Analyse und Ablauf eines Börsengangs

Exasol Analyse und Ablauf eines Börsengangs

Das deutsche Unternehmen Exasol wagte am 25.05.2020 den Schritt an die Börse und legte einen raketenmäßigen ersten Tag auf dem Börsenparkett hin. Der Ausgabepreis einer Exasol Aktie lag bei 9,50€ zu Handelsbeginn und der Kurs entwickelte sich bereits in den ersten Handelsstunden auf über 13€, was einer Kursentwicklung von etwa 37% entspricht. Aber nun möchte ich dir die Exasol Aktie etwas genauer vorstellen. Zu Beginn ein paar Fakten zu dem Unternehmen aus Deutschland. Du kannst dir alternativ auch die Podcast Folge zu Exasol anhören:

Ein paar Fakten über Exasol

Exasol ist ein deutsches Unternehmen, welches Unternehmenssoftware am Markt vertreibt. Das Unternehmen wurde im Jahre 2000 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Nürnberg. Exasol findet sich am Markt in der IT-Dienstleistung wieder, welche eine vielversprechende Zukunft hat, da immer mehr Unternehmen aus dem Mittelstand oder sogar kleine Unternehmen ihr Prozesse digitalisieren müssen. Dieser Drang zur Digitalisierung besteht und wird sich über die nächsten 5-10 Jahre noch weiter vergrößern, da die Unternehmen nur durch digitale Prozesse und einer effizient Datenhaltung am Markt konkurrenzfähig bleiben können. Exasol ist im Bereich der Massendatenhaltung und der analytischen Auswertung dieser Daten tätig. Hierfür stellt das Unternehmen ein effizientes und zugleich hoch performantes Produkt am Markt zur Verfügung  eine In-Memory Datenbank.

Technischer Hintergrund

Nun werde ich etwas genauer auf den technischen Hintergrund von In-Memory Datenbanken eingehen. Bei einer In-Memory Datenbank handelt es sich um ein relationales Datenbanksystem, was den Arbeitsspeicher eines Computers als Datenspeicher benutzt. Damit unterscheidet es sich von herkömmlichen Datenbankmanagementsystemen(DBMS), die dazu Festplattenlaufwerke nutzen. Das hat Vorteile aber auch Nachteile, wobei man die Nachteile vermindern kann durch eine gute Software des DBMS.

Nun aber erstmal zu einem zentralen Vorteil von In-Memory Datenbanksystemen die Zugriffszeiten sind im Vergleich zu herkömmlichen relationalen Datenbanken deutlich schneller. Somit können die Daten schneller Abgefragt werden und liefern somit bei einem hohen Datenaufkommen innerhalb einer Datenbank schneller ein Ergebnis. So liefern die Exasol Datenbanken auch bei einer komplizierten Abfrage über viele Tabellen und Relationen innerhalb einer Datenbank zügig verwertbare Ergebnisse.  Außerdem sind die Zugriffszeiten besser vorhersagbar als die von auf Festplatten zugreifenden Datenbankmanagementsystemen. Nun aber zu einem gravierenden Nachteil der durch den Betrieb des DBMS im Arbeitsspeicher entsteht: Bei einem Systemausfall / Absturz erfüllt die In-Memory Datenbank nicht ohne Weiteres die Anforderung der dauerhaften Speicherung (Persistenz) erfolgreich abgeschlossener Transaktionen. Dieser Problematik tritt Exasol gegenüber, indem die Daten in sogenannten Clustern gespeichert werden.

Was ist ein Cluster?

Unter einem Cluster versteht man einer Verkettung von vielen unterschiedlichen Computern, die einen Teil der Datenbank im Arbeitsspeicher verwalten. Der Vorteil ist nun, dass die Last gleichmäßig auf alle Geräte im Cluster verteilt wird und somit eine schnelle Abfrage von Daten möglich ist und zugleich eine hohe Datensicherheit, da bei einem Ausfall eines Gerätes im Cluster sofort ein neues Gerät als Stand-by-Lösung zur Verfügung steht. Somit gehen selbst bei einem Ausfall keine Daten in der Datenbank verloren.

Das Unternehmen wirbt folglich mit dem Slogan, dass ihre Lösung 1000x schneller ist als herkömmliche Datenbanksysteme. Außerdem wird mit einer einfachen Integration in die bestehenden IT-Prozess eines Unternehmens geworben, da Exasol eine Datenbanklösung bereitstellt, die zu vielen Analyse-Tools einfache Schnittstellen über Java, Python, SQL, Lua und noch vielen weiteren Schnittstellen bietet.

Nutzungsmodelle von Exasol:

Für die private Nutzung ist die Datenbanklösung von Exasol komplett kostenlos und somit steht hinter Exasol nicht nur Exasol selbst, sondern bereits eine beträchtliche Community, die die Open Source Software ständig erweitert und verbessert. Auf der Unternehmenswebseite exasol.com findet man folglich neben den Produkten für Unternehmen (Exasol One, Enterprise Cluster) auch eine Community Edition. Mit dieser Edition kann man bis zu 200 GB Rohdaten erfassen und von allen Vorzügen der In-Memory Datenbank Gebrauch machen.

Der Unterschied zu den Enterprise Editionen ist die Menge an Rohdaten, die verarbeitet werden können durch dieses DBMS. Für die kommerzielle Nutzung stehen dann bis 1 TB pro Cluster zur Verfügung. Die Kosten für Exasol One liegen bei 1999€ pro Monat ohne Mindestlaufzeit. Neben der Lizenz erhält man noch Support Leistungen von Exasol. Welche Leistungen hierbei inbegriffen sind wird leider nicht auf der Produktseite genannt. Entscheidet man sich für die Enterprise Edition von Exasol gibt es noch weitere Supportleistungen von Exasol natürlich für einen individuellen Aufpreis. Nun aber genug zu den Produkten von Exasol.

Nun noch einen kurzer Einblick auf das Geschäftsmodell von Exasol

  • Das Unternehmen ist im IT-Dienstleistungs, Software und BigData / KI Geschäft unterwegs
  • Laut eigener Aussage beträgt das geschätzte Marktvolumen etwa 49 Milliarden USD derzeit,  zukünftig ist die tendenz stark ansteigend
  • Geboten wird den Kunden eine Analytics In-Memory Datenbank zur Verarbeitung und Auswertung hoher Datenmengen
  • Die Implementierung der Exasol Lösung lässt sich leicht realisieren, da die Software viele verschiedene Schnittstellen offen lässt, um einfach mit Daten gefüttert werden zu können. Außerdem verfügt die Lösung über eine hohe Skalierbarkeit, da das DBMS (Datenbank-Management-System) Cluster-Mäßig aufgebaut ist.

Wer ist nun bereits Kunde bei Exasol?

Exasol verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Vertrieb von Datenbanken und ist in 30 Ländern weltweit bereits aktiv. Exasol zählt insgesamt über 175 Kunden weltweit. Darunter sind beispielsweise: adidas, Dell, vodafone, zalando, die Postbank, Hermes, Otto, Xing, 11880.com und noch viele weitere. Wie man sieht kommt das Produkt von Exasol sogar bei den sehr großen wie Zalando sehr gut an, was für zusätzliches Potenzial des Produktes spricht. In der It-Branche geht viel Werbung über die Mund-zu-Mund Propaganda und somit ist es nicht auszuschließen, dass Exasol in der Zukunft noch viel größere Kunden an Land ziehen wird.

Wie kam nun Exasol an die Börse?

Ich werde nun etwas genauer auf die verschiedenen Phasen eines Börsengangs eingehen. Ein Börsengang ist nicht nur eine personal- und kostenintensive Angelegenheit, sondern auch eine sehr zeitaufwändige. Von den ersten Schritten bis zum Emissionstag vergehen 12 bis 18 Monate, sehr gut vorbereitete IPOs kommen mit sechs bis zwölf Monaten aus. Der Börsengang von Exasol wird sich hiervon nicht sehr stark unterscheiden, da sich der Ablauf in folgenden Schritten verallgemeinern lässt:

1. Die Analyse-Phase

Das Wichtigste in dieser Phase ist die Unternehmensanalyse. Das Unternehmen wird auf den Prüfstand gestellt und muss sich mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen:

  • Wie weit ist es in seiner Entwicklung?
  • Hat die Geschäftsidee wirklich Potenzial?
  • Wie sehen die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten aus?
  • Hält das Unternehmen eine führende Position innerhalb seiner Branche?

Ebenso wichtig ist es, die Interessen der Gesellschafter zu diskutieren, Unternehmensziele festzulegen und den Businessplan aufzustellen oder fortzuschreiben.

Während dieser Zeit kommen meist auch schon die Wirtschaftsprüfer und eventuell Anwälte an Bord, die den finanziellen Status des Unternehmens auf Herz und Nieren prüfen und die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft vorbereiten. Hat das Unternehmen bereits eine Venture-Capital-Gesellschaft als Finanzier gewonnen, lässt sich die Analysephase erheblich verkürzen.

Eigentlich ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einstieg einer Venture-Capital-Gesellschaft, denn meist findet vor dem Börsengang eine Finanzierungsrunde statt, die so genannte Bridge-Finanzierung. Damit wird dem Unternehmen durch eine letzte Kapitalerhöhung der Weg an die Börse von der finanziellen Seite her erleichtert. Sofern Sie noch keine Venture-Capital-Gesellschaft für sich gewinnen konnten, sollten Sie spätestens jetzt einen Versuch starten.

2. Die Umwandlungsphase

In der Umwandlungsphase wird die Aktiengesellschaft gegründet und eingetragen. Dafür müssen Geschäftsführer und Vorstände bestimmt werden. Eine Satzung muss erstellt werden. Die Anwälte treten auf den Plan. Meistens wird in dieser Phase auch ein Beteiligungsprogramm für die Mitarbeiter ausgehandelt. Spätestens jetzt müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt sein und die Hauptversammlung muss den Börsengang beschließen.

3. Die Konzeptphase

Jetzt geht es an die eigentliche IPO-Vorbereitung. Es muss ein Konzept für das IPO erstellt werden und die begleitenden Banken und Agenturen müssen ausgewählt werden. Der Beauty Contest steht in dieser Phase an. Ist eine Bank ausgewählt, muss sich das Unternehmen der Due Diligence unterziehen, der Prüfung auf Herz und Nieren durch die Wirtschaftsprüfer der Banken. Wenn sie abgeschlossen ist, wird die Börsenzulassung beantragt. Ist sie erteilt, wird der unvollständige Prospekt eingereicht und die Umsetzung des beschlossenen Marketingkonzepts kann beginnen.

4. Die heiße Phase

Sie beginnt etwa zwei Wochen vor der Emission. Jetzt finden täglich Pressekonferenzen und Analystenpräsentationen statt. Die Vorstände begeben sich auf die Roadshow, führen Telefonkonferenzen und geben Interviews. Gleichzeitig läuft das Bookbuilding, also die Preisfindung für die Aktie aufgrund der in einer bestimmten Preisspanne und Zeit abgegebenen Gebote. Zum Schluss dieser Phase wird der Emissionspreis festgelegt, die Aktien werden zugeteilt und der erste Handelstag beginnt

Die Kosten für den Börsengang sind schwer zu verallgemeinern, da sich meistens nach dem Emissionsvolumen richten. Man kann aber sagen dass die Kosten grob bei 4-8% der letztendlichen Erlösen durch den Börsengang liegen werden. Es können aber auch Kosten gespart werden, indem das Unternehmen viele Kompetenzen selber Übernimmt. Mögliche Kostenpositionen können beispielsweise:

  • Konsortialbanken,
  • Anwälte,
  • Wirtschaftsprüfer,
  • IPO-Berater,
  • Medien- und Marketingagenturen und
  • Börsenplätze sein.

Nun weiter mit ein paar Finanzkennzahlen

  • Das Unternehmen hat im Jahr 2019 bei einem Umsatz von 21,612 Millionen Euro ein negatives EBITDA (operativer Cashflow vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen etc.) von knapp 11 Mio. Euro. 2018 war das EBITA mit 1,7 Mio. Euro bei einem Umsatz von knapp 17,7 Mio. In 2017 betrug der Umsatz 16,97 Mio. Euro und das EBITDA 3,53 Mio Euro. 
  • Das Unternehmen hatte in den letzten 5 Jahren ein durchschnittliches Umsatzwachstum von etwa 25%. Dieses hohe Umsatzwachstum hat Exasol laut eigener Aussage durch eine hohe Bruttomarge erreicht, die momentan am Markt möglich ist. Wer weiß, ob das Unternehmen die Mage langfristig so hoch halten kann, wenn die Konkurrenz irgendwann auf den Markt drückt. Die Bruttomarge liegt laut Aussagen des Unternehmens im Jahre 2017 bei 81% und könnte in 2019 auf 91% gesteigert werden. In meinen Augen sind das Traumargen. Wenn man sich mal überlegt, was man in der Autoindustrie für Margen erzielt von 10- 20&, dann ist das hier ein echter Traum. Aber wie gesagt das Marktgeschehen kann sich verändern und die Margen können somit auch schnell wieder sinken.
  • Exasol ist schon seit längerem dabei auf ein Abomodell umzustellen, um wiederkehrende Umsätze zu erreichen. Ein kontinuierlicher Cashflow kommt bei den Investoren deutlich besser an und sorgt auch für eine bessere Planbarkeit als Einzelumsätze. Der Aboanteil liegt schon bei 75% und soll zukünftig noch weiter gesteigert werden.
  • Das Unternehmen besitzt außerdem eine sehr niedrige Kündigunsrate von etwa 5% p.a. und das ist sehr sehr niedrig. Mich erinnert das ein bisschen an SAP. Mansagt ja immer einmal SAP immer SAP und ich glaube so ähnlich ist es auch bei vielen anderen IT-Unternehmen, da eine Migration zu einem anderen Produkt kostenintensiv und sehr zeitintensiv ist.
  • Noch ein wichtiger Punkt zum Abschluss der Finanzzahlen. Etwa 55% der Aktien bleiben vorerst bei den ehemaligen Aktionären von Exasol. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist schwer zu sagen.

Gründe für den Börsengang von Exasol

  • Der Grund für den Börsengang war es, sich frisches Kapital zu beschaffen, um weiter wachsen zu können und in neue Märkte wie die USA und GB weiter zu investieren. Die Marktanteile werden weiterhin noch signifikant ausgebaut werden. Außerdem sollen mögliche Übernahmen durch das gewonnene Kapital an der Börse finanziert werden, wodurch das Unternehmen weiter schnell wachsen kann. Ein großer Teil der Erlöse soll auch in die Forschung und Weiterentwicklung der Datenbanksysteme fließen.

Fazit

Die aktuelle Situation von Exasol sieht meiner Meinung nach sehr vielversprechend aus. Sowohl die Produkte sind absolut für die Zukunft geeignet und werden auf ein breites Interesse treffen, als auch die Finanzkennzahlen sehen für ein junges und sehr neues Unternehmen an der Börse sehr gut aus. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich nicht abgeneigt bin von diesem Unternehmen und mir in der Zukunft sehr gut vorstellen könnte Aktien zu kaufen von Exasol.

Ich werde mit einem Kauf aber noch 2 – 4 Quartale warten, um einen besseren Blick auf die Finanzkennzahlen zu bekommen und ein Gefühl für den Markt. Aufgrund der aktuellen Corona Situation kann es gut sein, dass sich diese Beobachtungsphase auf bis zu 2 Jahre ausweitet, bis ich genau abwegen kann, ob die Aktie etwas für mich ist. Momentan würde ich die Aktie noch nicht kaufen, da man nicht weiß, ob die Bruttomagen und das starke Umsatzwachstum wirklich nachhaltig sind.

Wichtige Links:

Hier der Link zur Investors Relations Seite von Exasol: Exasol

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Hey, sehr gute Analyse! Allerdings stimme ich dir mit der Beobachtungszeit auf jeden Fall zu. Direkt nach dem Börsengang kaufen ist selten eine gute Idee. Erst mal abwarten, wie sich das Unternehmen etablieren wird 🙂

    1. Genau das Unternehmen an sich hat sehr interessante Produkte und gehört auf jeden Fall zu meinen neuen Favoriten beim Thema Datenbanken. Mal sehen wie sich das Unternehmen nun an der Börse schlägt 🙂

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