Frugalismus und Minimalismus

Frugalismus und Minimalismus

Die Begriffe Frugalismus und Minimalismus werden gerne miteinander verwechselt, obwohl sich diese beiden Lebensweisen stark voneinander unterscheiden können. In diesem Beitrag wollen wir dir beide Begriffe erklären, die Unterschiede darlegen und am Ende geben wir noch unsere Meinung zum Thema Frugalismus und Minimalismus sagen. Du kannst dir hierzu auch gerne unsere Podcast Folge anhören 🙂

Gerrit ist seit 2018 frugal und versucht möglichst schnell in Rente zu gehen mit einer möglichst hohen Sparquote. Er legt sein Geld langfristig an der Börse an in Wachstums- und Dividendenaktien, um später daraus eine “Rente” zu beziehen. Auf dieses Thema ist er durch verschiedene Bücher, Blogs und Youtubekanäle gestoßen und er konnte sich sofort mit diesem Thema identifizieren. Das Thema Frugalismus zieht sich durch das gesamte alltägliche Leben von Gerrit. Er wird uns in diesem Blogbeitrag berichten, wie er diesen Lebensstil in seinen Alltag integriert. Nun aber erstmal eine Definition zum Frugalismus und Minimalismus. Wenn du dich für die Lebenssituation von Gerrit interessierst, dann kannst du auch gerne mal auf unserem Blog vorbeischauen. Dort findest du viele Beiträge von Gerrit.

Definitionen

Frugalismus

Unter Frugalismus versteht man einen Lebensstil, bei dem es darum geht die finanzielle Unabhängigkeit möglichst schnell zu erreichen. Frugalisten haben das Ziel möglichst viel effektive Zeit für ihr Leben aufwenden zu können und eher weniger Zeit für die Arbeit zu investieren. Darum lassen Frugalisten Geld für sich arbeiten anstatt andersherum. Zu normalen Anlegern unterscheiden sie sich durch das explizite Ziel der “schnellen finanziellen Unabhängigkeit”.

Minimalismus

Minimalismus bezeichnet einen Lebensstil, für den das Prinzip der Einfachheit zentral ist. Ein solches Leben kann sich beispielsweise durch die Reduzierung des Besitzes oder den Versuch der Selbstversorgung auszeichnen.

Wie man sieht unterscheiden sich die Definitionen dieser beiden Begriffe stark. Im Folgenden wollen wir dir einmal ein paar zentrale Unterschiede darlegen:

Unterschiede zwischen Frugalismus und Minimalismus

Minimalismus: 

  • Reduktion / etwas auf das Wesentliche reduzieren
    → Materielle Dinge bzw. deren Besitz, /finanzieller Emotionen Besitz oder Balast, den es zu reduzieren gilt, um glücklicher zu sein
  • Weniger ist quasi Mehr →  materielle Dinge reduzieren und trennen von Dingen, die im Alltag überflüssig sind
    (Entscheidung zwischen Gebrauchsgegenstand und “Luxusartikel”)
  • Lebensstil hat nichts mit “Geld sparen oder Geld investieren” zu tun → es geht vielmehr darum, sich von Gegenständen zu lösen/ zu trennen, und von bzw. mit den Gegenständen zu leben, die einem langfristig Freude bereiten
  • → Natürlich kann eine Folge dessen sein, dass man mehr Geld zur Verfügung hat, weil weniger konsumiert wird zum Beispiel das typischen “Shoppen gehen” und somit reduzieren sich dann die Ausgaben;
  • Es könnte aber auch umgekehrt sein, dass Minimalisten mehr Geld ausgeben für qualitativ hochwertige Sachen/ Gegenstände, dafür aber nicht mehr so oft was neues kaufen.
  • Also es geht nicht darum, nicht mehr die Dinge oder ähnliches zu kaufen, um Geld zu sparen, sondern dass man selber merkt, dass man diesen Überfluss zum Leben nicht mehr benötigt und somit mit weniger viel zufriedener ist/ sein kann
  • → Wie beschrieben kann es dann natürlich dazu führen, dass man Geld spart oder, das man mehr Geld für zum Beispiel hochwertigere Klamotten ausgibt (zum Beispiel Bio-Baumwolle, nachhaltige Gegenstände, gesünderer Lebensstil – Anpassung Essverhalten)

Frugalismus: 

  • Fokus liegt hier eher auf dem Geld bzw. auf das Finanzielle (investieren, sparen, früher in Rente zu gehen) → FIRE Bewegung  = Financial Independence, Retire Early → finanziell unabahängig und früher in rente gehen
  • Bewusster Umgang mit Geld und Vermögensaufbau sind das Ziel von Frugalisten, um finanzielle Freiheit zu erlangen 
  • es geht in erster Linie darum Geld zu sparen, um es dann investieren zu können, damit es für einen arbeitet, um halt die finanzielle Freiheit zu erlangen
  • Dadurch, dass man extrem viel Geld sparen möchten (nicht geizen), kauft man automatisch weniger ein, was die Ausgaben reduziert → dadurch ist es ähnlich wie beim Minimalismus
  • allerdings kann es auch sein, dass man mehr konsumiert oder gleichbleibend viel konsumiert, dafür aber viel viel billiger / günstiger und somit nicht richtig darauf achtet, wie viel man eigentlich hat und mit viel Zeug man letzten Endes dann doch lebt oder eben nicht
  • Sparquote = Einnahmen (hoch) – Ausgaben (klein)
  • Beispiele:
    Handyvertrag kündigen oder andere Anbieter, Auto, Miete, Reisen, Einkäufe (wie, wo, was einkaufen)

Fazit zu den Unterschieden

  • Somit lässt sich sagen, dass sich von beiden Lebensstilen profitieren lässt, aber es ist nicht so, dass jeder Minimalist gleich ein Frugalist ist oder sein möchte.
  • Minimalisten achten nämlich gar nicht so auf das Geld, ob sie jetzt mehr oder weniger ausgegeben haben. sie kaufen einfach weniger.
  • Viele Frugalisten hingegen kaufen wie schon gesagt gleichbleibend viel, nicht unbedingt weniger, sondern günstiger, um Geld zu sparen, was dann wiederum angelegt werden kann in zum Beispiel ETFs, Aktien, Kryptowährungen wie bitcoin oder P2P Kredite.
  • Frugalisten prüfen gar nicht so im Details, ob sie etwas brauchen oder nicht, sie schauen nur, dass sie günstiger dabei weg kommen, bei dem was sie benötigen
  • Es soll das Einkommen stetig erhöht werden, unabhängig davon wie viel sie eigentlich besitzen.
  • Es geht nicht darum, dass man sich komplett einschränken soll, sondern es geht darum, dass man mit dem was man sich gekauft hat, langfristig glücklich wird und ist.
  • Als Beispiel: günstige Klamotten von meinetwegen H&M machen/ können einen kurzfristig glücklich machen. Doch das Glück ist meist nicht von langer Dauer, sodass man mit erneutem Klamotten Konsum, die Glücksgefühle wieder kurzfristig / erneut auffrischt. Wenn man sich aber ein teures Klamotten Stück kauft, welches nachhaltig hergestellt ist (Bio Baumwolle, faire Arbeitsbedingungen im Herstellungsland, usw. zum Beispiel Patagonia) dann lernt man so etwas viel mehr zu schätzen und freut sich langfristig jedes mal wenn man den Gegenstand/ die Klamotte trägt

    oder ein weiteres Beispiel: das 7 Tage T Shirt (Anschaffungspreis: um die 50-60€, schlicht gehalten, kann aber 7 Tage getragen werden → keine Flecken oder Geruchsbildung)
  • klar definierte Regeln gibt es meiner Meinung nach nicht, es nicht zum Beispiel beim Minimalismus nirgends beschrieben, auf wie viele Gegenstände sich jemand beschränken muss (zum Beispiel max 500 Gegenstände oder weniger)
  • jeder muss für sich seine eigenen rahmenbedingungen schaffen, denn nur so wird man glücklich und kann den lebensstil langfrisitg oder gar sein leben lang umsetzen
  • auch beim Frugalismus gibt es keine klaren regeln, wie viel zum Beispiel im Monat in %  (30%, 50% oder 70%) oder € gespart werden muss, auch hier muss sich jeder selbst finden. sprich wie viel er/sie/es im Monat zum leben braucht. Natürlich meine ich damit nicht nur um überlebensfähig zu bleiben, sondern auch um spaß zu haben
  • Natürlich lässt sich mit der Sparquote das finanzielle Ziel/ Freiheit mit einer höheren Sparquote schneller erreichen als mit einer niedrigeren Sparquote, im Endeffekt zählt der Hintergrundgedanke, dabei ist es egal ob es 30% oder 80% sind
  • Beide Sachen schließen sich nicht gegenseitig aus und sind auch nicht automatisch identisch.
  • Es gibt Minimalisten die frugalistisch leben und andersrum. Die Lebensstile sind aber recht individuell gehalten.

Vorteile und Nachteile: 

Ich glaube zu den Vorteilen wurde schon viel gesagt. Aus meiner Sicht ist es mehr finanzielle Sicherheit geringere Ausgaben und höhere Rücklagen die den Frugalismus attraktiv machen. Außerdem entsteht weniger Stress durch weniger Besitz und mehr Konzentration auf das Wesentliche im Minimalismus.

Als Nachteil fällt mir ein, dass man auf Unverständnis stößt und sich in seiner Einkommens/Berufsgruppe etwas zum Außenseiter macht. Vorausgesetzt man macht sich um so etwas sorgen…

4% Regel (Entnahmeplan)

Die 4% Regel besagt, dass das Vermögen so groß sein muss, dass du jedes Jahr 4% ohne Probleme entnehmen kannst. Das erreicht man, indem das Geld angelegt wird und das Geld mit 4-6 % pro Jahr wächst. Der MArktdurchschnitt lag in den letzten 30 Jahren bei 6-8% pro Jahr, wenn man einen MSCI World als Beispile hernimmt.

Wenn man nun davon 4% raus zieht bleibt noch ordentlich was hängen, Inflation eingerechnet bleibt man dann bei knapp +-0 und das Vermögen würde theoretisch immer konstant bleiben.

Beispielrechnung:

Jahresbedarf (Ausgaben) multipliziert mit 25 = benötigtes Vermögen

30.000€ Ausgaben = 750.000€ besitzen, um demnach 4% entnehmen zu können um keine Vermögenseinbußen zu haben.

Um das so schnell wie möglich zu erreichen, leben viele Frugalisten über einen Zeitraum 10 oder mehr Jahren unter ihren Verhältnissen. Erst säen und dann die Früchte ernten.

Die 4% Regel hat aber auch Schwächen, da die Ausgaben angenommen konstant bleiben. Dies kann sich aber schnell mal ändern, wenn sich die Lebenssituation ändert.

alternativ dazu Investmentmöglichkeiten suchen wie Aktien/ ETFs, die Dividende ausschütten

Anschauliches Beispiel unter der 4% Entnahmeregel:

Wir wollen nun schauen wie viel Geld du benötigst, um die 4% Entnahmeregel anwenden zu können. Hierzu verwenden wir ein allgemeines Modell?

Also wir gehen davon aus, dass du folgende laufende Kosten hast:

Miete: 900€ warm

Klamotten: 75 – 100€

Freizeit und Spaß: 400€

Essen und Lebensmittel: 350€

Ein altes Auto (VW Golf): Du fährst im Jahr 15.000 KM somit hast du im Monat Kraftstoffkosten von etwa 200€. Die Versicherung auch nochmal 50€ und die KFZ Steuer + eventuelle Reparaturen schlagen nochmal mit etwa 100€ an.

Versicherungen: 50€ ( Haftpflicht + Rechtschutz etc.)

Übersicht der Ausgaben-Aufteilung

 Du landest in der Summe bei monatliches Ausgaben von 2150€. Dein Vermögen sollte folglich monatlich 2.150€ netto erwirtschaften. Nun rechnen wir das ganze natürlich noch mit den ganzen Steuern und Kirche auf Vermögen. Brutto musst du also 2739,10€ pro Monat erwirtschaften. Voraussetzung ist hierfür, dass sich die Steuern auf Kapitalerträge nicht erhöhen in den nächsten Jahren. Du benötigst also im Jahr 32.869,20 Brutto damit du 2150€ pro Monat zum Leben hast. Bis du dich als finanziell frei bezeichnen kannst benötigst du ein Vermögen von 821.730€. Du kannst aber dann nur die 2150€ pro Monat ausgeben und nicht mehr. Ich weiß nicht ob damit jeder klar kommen würde. Außerdem musst du dich für eine mögliche Steuererhöhung oder einen krassen Börsencrash rüsten, um nicht dein Vermögen angreifen zu müssen in solchen Situationen. 

Falls du weitere Informationen möchtest kannst du gerne auf unseren Instagram-Kanälen Finanzenfuchs und Parkett.Hirsch vorbeischauen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Minimalistin

    Das gezeigte Beispiel ist ein recht teurer Lebenswandel finde ich. Das geht deutlich einfacher: Auto abschaffen, bis 2km zu Fuß gehen. Ausgaben für Freizeit reduzieren, der Spaziergang im Wald ist kostenlos. Je nach Wohnort kleinere bzw. günstigere Wohnung. 900€ warm ist entweder eine sehr große Wohnung oder fast schon Münchener Verhältnisse.

    1. Jannik

      Hey vielen Dank für deinen Kommentar 🙂 Das Beispiel, dass du hier angesprochen hast, haben wir auf eine Seniorin bezogen. Diese benötigt ein Auto, um ihre Enkel zu besuchen. Außerdem lebt sie in einer Großstadt, um dort alles schnell zu erledigen. Hör hierfür gerne mal in die verlinkte Podcastfolge hinein. Da sind wir nochmal viel detaillierter auf dieses Beispiel eingegangen 🙂
      viele Grüße,
      Dein Team von finanzenparkett.de

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