Novo Nordisk Vorstellung und Analyse

Novo Nordisk Vorstellung und Analyse

Einleitung

Willkommen auf unserem Blog finanzenparkett.de 🙂
Heute werden wir dir das dänische Pharma-Unternehmen Novo Nordisk A/S genauer vorstellen. Novo Nordisk ist im Bereich der Diabetes Pharmazie spezialisiert und dort seit mehreren Jahren Weltmarktführer. Neben der Diabetes Pharmazie stellt Novo Nordisk auch noch Medikamente zur Blutgerinnung und Wachstumshormone her.

Nicht nur das Produktportfolio ist interessant, sondern auch die ebenso krasse Entwicklung der Aktie über die letzten 10 Jahre. Hatte man vor 10 Jahren Novo Nordisk Aktien gekauft hätte man nicht nur 290% Rendite gemacht, sondern auch noch ordentlich Dividende abgegriffen.

In dieser Vorstellung und Analyse werden wir Novo Nordisk auf Herz und Nieren für dich prüfen. Wir wünschen dir nun viel Spaß mit der Vorstellung 🙂

Wenn du diesen Artikel lieber anhören möchtest, dann können wir dir unseren Podcast Finanzen.Parkett empfehlen. Dort haben wir bereits eine Podcast-Folge zu Novo Nordisk veröffentlicht:

Kurze Vorstellung:

Hier sieht man das Logo von Novo Nordisk.

WKN: A1XA8R

ISIN: DK0060534915

Sektor: Chemie/Pharma

Hauptsitz: Bagsværd, Dänemark

Marktkapitalisierung: 134,76 Mrd. €

Hier geht es zur Investor-Relations Seite von Novo Nordisk.

Eckdaten zur Aktie

  • Kurzbeschreibung:

    – Novo Nordisk ist ein dänisches Pharmaunternehmen.
    Spezialisiert auf Vertrieb von unterschiedlichen Hormonen und Gerinnungsfaktoren

    – Produziert Insulin, Wachstumshormone sowie Oestrogen- und Gestagenpräparate (Schwangerschafthormone)

    – Breites Produktportfolio im Bereich Diabetes

    – Führender Herstellern von Diabetes-Arzneimitteln

    – Weitere Sektoren sind: Hämophilie, Wachstumshormontherapie oder Hormonersatztherapie

    – Vermarktung über Tochtergesellschaften, Distributions- oder unabhängige Vertriebspartner

    – Größte Märkte sind: Nordamerika, China und Zentraleuropa
  • Mitarbeiter: 43.258
  • Aktionärsstruktur: 71,40% im Streubesitz und 28,60% Novo Holdings A/ S
  • Aktueller Kurs: 57,61 € (Stand 15.09.2020)
  • Dividendenrendite: 2,11 %
  • Dividende: 8,35 DKK
  • KGV: 23,4 (Stand 15.09.2020)
  • KBV: 16,11
  • CEO: Lars Fruergaard Jørgensen (Stand 15.09.2020)
  • CFO: Karsten Munk Knudsen (Stand 15.09.2020)
  • CSO: Mads Krogsgaard Thomsen (Stand 15.09.2020)
  • Mit einem Kurs von ca. 3.5 DKK ging es 1989 los.
    1995 hatte sich der Aktienkurs von Novo Nordisk schon nahezu verdoppelt. Seit dem ging es dann so richtig los. Bereits im Jahre 2001 lag der Kurs schon über 34 DKK. Vor Corona diesen Jahres 2020 hatte die Aktie dann die Schwelle von 400 DKK überschritten (ca. 53 €). Hätte man 2005 1.000 € in Novo Nordisk investiert wären durch den Kursgewinn bis Anfang 2020 mit etwa 1.200% um die 13.000€ geworden. (12.000€ Gewinn)
    Dividendenwachstum hat leicht nachgelassen, dennoch steigt die Dividende im jährlichen Mittel um weiterhin ca. 10%.

Die Unternehmensgeschichte von Novo Nordisk

Die Geschichte von Novo Nordisk geht auf das Jahr 1922 zurück, als August und Marie Krogh auf dem Seeweg in die Vereinigten Staaten von Amerika kamen. August Krogh ist Professor an der Universität in Kopenhagen gewesen und hat im Jahre 1920 den Nobelpreis für Physiologie erhalten. Das Paar ist von Forschern der Yale University eingeladen worden, damit August Krogh von seinen medizinischen Forschungsarbeiten berichten und lehren kann.

Während ihrer USA Tour hörten sie immer wieder Berichte über Menschen mit Diabetes, die mit Insulin behandelt werden mussten. Insulin ist ein Hormon, welches von den zwei kanadischen Forschern Banting und Best im Jahre 1921 entdeckt worden ist. Vor allem Marie Krogh hatte starkes Interesse an der Behandlung der Patienten, denn sie selbst hatte Typ-2-Diabetes. Marie Krogh war 1914 die vierte Dänin, die ihren Doktor in Medizin machte, außerdem behandelte sie in ihrer eigenen Praxis Patienten mit Typ-1-Diabetes.

Während ihres Aufenthalts in den USA schrieb August Krogh an den Professor Macleod, Leiter eines Instituts in Toronto, wo das erste Insulin-Extrakt hergestellt worden war. Parallel dazu schrieb Marie Krogh an ihren Kollegen in Kopenhagen Dr. Hans Christian Hagedorn, der mit dem Apotheker Norman Jensen eine sehr präzise Blutzuckermessung entwickelt hatte:

“Since I believe that you… will be interested
in this preparation, I have persuaded my
husband to write Dr Macleod in Toronto and
ask him if it would be possible to obtain its
method of manufacture, making it possible
for you to perform experiments with it in
Denmark.”

– Quelle: Novo Nordisk History

Ende des Jahre 1922 kehrte das Paar nach dem Treffen in Toronto nach Kopenhagen zurück mit der Erlaubnis für die Herstellung und dem Verkauf von Insulin in Skandinavien.

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Als erstes musste jedoch noch viel Zeit und Kraft in die weitere Forschung gesteckt werden. Allerdings kostete dieses Vorhaben eine Menge Geld und so entschieden sich Hagedorn und Krogh den Apotheker August Kongstedt, dem das Unternehmen “Løvens kemiske Fabrik (Leo Pharmaceutical Products)” um Hilfe zu beten.

Der Unternehmer war überzeugt, allerdings wollte er für die Unterstützung der Forschungsarbeiten und dem Start der Produktion eine Gegenleistung haben. Die Bedingung war, dass Krogh und Hagedorn ihr erstes Insulin Produkt zukünftig unter dem Namen “Leo” vertreiben sollten. “Leo” steht im lateinischen für Löwe.

Noch im selben Jahr 1922 am 21. Dezember gelang es Krogh und Hagedorn eine kleine Menge Insulin aus einer Rinder-Bauchspeicheldrüse zu extrahieren. Bereits im März 1923 sind die ersten Patienten mit deren Insulin behandelt worden.

Die ersten Behandlungen waren natürlich nicht immer erfolgreich, laut aufgezeichneten Beobachtungen jedoch, konnte bei einem neunjährigen Mädchen, welches vor der Behandlung sehr ruhig war, ein unglaublicher Fortschritt gemacht werden. Nach der Behandlung war das Mädchen nämlich unkontrollierbar lebhaft und wachsam geworden.

Hagedorn gab nach und nach seine eigentlichen Tätigkeiten in der Medizin auf, um Leiter des Labors mit dem Namen “Nordisk Insulinlaboratorium” zu werden. Gleichzeitig begannen sie mit der Vermarktung des “Leo”-Insulins (das erste skandinavische Insulin Produkt).

Somit war das Jahr 1923 das Gründungsjahr von “Novo Nordisk” bzw. “Nordisk Insulinlaboratorium”.

Die für die Insulinproduktion verwendeten bzw. benötigten Anlagen/ Maschinen stammten von dem talentierten Erfinder Harald Pedersen. Der Bruder von Harald mit dem Namen Thorvald Petersen war zu seinerzeit Apotheker, dieser wurde beauftragt die chemischen Prozesse bei der Insulinproduktion von Nordisk zu überwachen und zu analysieren.

1924 wurde Nordisk eine unabhängige Institution unter der Leitung von Krogh, Hagedorn und Kongstedt.
Die ersten Gewinne sollten weiterhin für wissenschaftliche und humanitäre Zwecke verwendet werden. Die Produktion von Insulin in Dänemark war somit im vollen Gange.

Die Zusammenarbeit zwischen Hagedorn und den beiden Brüdern Thorvald und Harald ging jedoch nicht lange gut, sodass Hagedorn zunächst im April 1924 Thorvald aus dem Unternehmen entlassen hat.

Kurze Zeit später verließ auch der Bruder Harald Pedersen aufgrund der Loyalität zu seinem Bruder das Unternehmen. Ab diesem Tage an, haben sich die beiden Brüder selbstständig mit einer eigenen Insulinproduktion gemacht.

Noch im selben Jahr hatten sie es geschafft ein stabiles, flüssiges Insulinprodukt herzustellen, welches sie “Insulin Novo” nannten. Gleichzeitig haben sie dazu eine Spritze entworfen, die eine richtige Dosierung von Insulin für den Patienten ermöglicht hat.
Um das Produkt nun vermarkten zu können beschlossen sie eine Anfrage bzw. Zusammenarbeit an Nordisk zu stellen.

Krogh und Hagedorn lehnten jedoch die Anfrage ab, so beschlossen die beiden Brüder alleine die Vermarktung in die Hand zu nehmen und so entstand dann 1925 das Unternehmen “Novo Terapeutisk Laboratorium”.

1932 gründete außerdem “Nordisk Insulinlaboratorium” das Steno Memorial Krankenhaus.

Somit gab es zwei Unternehmen, welche sich auf die Herstellung von Insulin spezialisiert hatten. Nordisk hatte sich dabei auf den skandinavischen Raum konzentriert und Novo versuchte im Rest der Welt Fuß zu fassen. Beide Unternehmen wuchsen jedoch schnell, sodass Novo im Jahre 1936 bereits 56 Mitarbeiter hatte und 90% der Produkte exportiert worden sind. Dänemark hatte somit quasi zwei Unternehmen, die sich weltweit zum führenden Insulinhersteller gemacht haben.

Noch im selben Jahr (1936) wurde von Nordisk ein neues Insulinprodukt auf den Markt gebracht. Durch die Zugabe eines Proteins war die Wirkungsdauer von Insulin deutlich länger und stabiler, dadurch mussten sich die Patienten nicht mehrfach am Tag Insulin injizieren.

1938 vermarktete Novo ein neues Insulinprodukt (Zink-Protamin-Insulin kurz: ZPI). Hagedorn jedoch war der Meinung, dass Novo dieses Produkt nach einem patentierten Verfahren von Nordisk herstellt. Kurz darauf kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Das Urteil war, dass Nordisk Anspruch auf einen Teil des Geldes durch den Verkauf von ZPI von Novo hatte.

Außerdem gründete “Novo” im selben Jahr das “Hvidøre Diabetes Sanatorium”.

Novo brachte 1941 ihr erstes Enzym, Trypsin, auf den Markt. Dieses wird aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren gewonnen.

Im Jahre 1946 entwickelten zwei Forscher von Nordisk das “NPH Insulin” (NPH steht für Neutral Protamine Hagedorn), ein neutrales Insulin mit verlängerter Wirkungsdauer, welches 1950 auf dem US-Markt eingeführt wurde.

Die bisher entwickelten Insulinprodukte von Nordisk als auch von Novo waren allerdings noch leicht verunreinigt, die Wirkung war nicht immer optimal und einige Patienten reagierten allergisch auf die Produkte. Beide Unternehmen forschten weiter daran, dass ihre Produkte für die Zukunft noch besser werden. Studien aus 1960 belegten auch, dass Patienten Antikörper gegen Insulin gebildet haben, auch hier forschten beide Unternehmen an einer Abhilfe gegen die Antikörperbildung. Weitere US-Studien aus dem Jahr 1967 zeigten, dass Patienten, die Rinderinsulin erhielten, häufiger Antikörperreaktionen gebildet haben, als diejenigen, die Schweineinsulin bekamen.

Nordisk hatte darauf reagiert und bereits 1974 Schweineinsulin auf den Markt gebracht, welches die Behandlung für die Patienten besser war.

Für Novo war das Jahr ein ebenso toller Erfolg, denn 1974 gingen die B-Aktien an der Börse in Kopenhagen an den Start, um noch weiter und schneller wachsen zu können.

1977 zog Novo nach und hatte ab da an Insulinprodukte angeboten, die ebenfalls deutlich besser und in ihrer Form reiner waren.

Nach der Einführung von hochgereinigtem Insulin in den 1970er Jahren, haben sich beide Unternehmen mehr und mehr mit der Forschung von menschlichem Insulin beschäftigt. 1982 gelang es jedoch Novo, das erste Unternehmen der Welt zu werden, Schweineinsulin in menschliches Insulin “umzuwandeln”. Dabei wird eine einzelne Aminosäure aus dem Schweine- Insulinmolekül ersetzt. Dadurch kommt Insulin zustande, welches die gleiche Molekülstruktur und Eigenschaften, wie die des menschlichen Körper besitzen.

Nur zwei Jahre später, sprich 1984, hatte Nordisk ebenfalls das gleiche Ziel umsetzen können.

Tests des neuen Insulins konnten belegen, dass sich bei den behandelten Patienten weniger Antikörper bildeten und, dass diejenigen, die allergische Reaktionen auf das Schweineinsulin hatten, ebenfalls von dem identisch menschlichem Insulin profitieren konnten.

1985 entwickelte Novo das “NovoPen-Gerät” (Injektionssystem mit austauschbaren Insulinpatronen). Dieses “füllerfederhaltige” Gerät ermöglichte es erstmal sich Insulin in der entsprechenden Dosis selbst injizieren zu können und das ggf. mehrmals täglich. Das Ergebnis war eine bessere Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Dieses Gerät kam bei den Patienten sehr gut an, sodass es Novo kurz darauf in der ganzen Welt vertrieb.

Nordisk hingegen vermarktete ab 1983 eine Insulinpumpe namens “Nordisk Infuser”, genau wie eine Speicheldrüse gibt diese Pumpe in regelmäßigen Abständen kleine Mengen an Insulin an den menschlichen Körper ab.

Seit dem Start im Jahre 1920 bis 1980 ist somit sehr viel passiert, nicht nur in Bezug auf die Insulinherstellung, sondern auch auf Enzyme oder Hormone haben sich Novo als auch Nordisk fokussiert.
Bis Ende der 1980er Jahre war Nordisk somit der drittgrößte Insulinhersteller der Welt und einer der größten Hersteller und Exporteure von menschlichen Wachstumshormonen.

Novo war zum zweitgrößten Insulinhersteller geworden und weltweit größter Hersteller von Enzymen, die Industrieprodukten eine Verwendung fanden.

Beide Unternehmen exportierten 90% ihrer Produkte und besaßen Tochtergesellschaften und Servicebüros in vielen Ländern auf der ganzen Welt.

Im Januar 1989 schlossen sich die beiden Unternehmen “Novo Industri A/ S” und “Nordisk Gentofte A/ S” unter dem Namen “Novo Nordisk A/ S” zusammen, der Weltmarktführer für Insulinprodukte.

1996 bringt Novo Nordisk das Medikament “NovoSeven” zur Behandlung von Hämophilie mit Inhibitoren auf den Markt. Bei Hämophilie handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der die Blutgerinnung gestört ist. Ein Inhibitor ist ein Hemmstoff chemischer, biologischer oder physikalischer Natur. Dabei werden eine oder mehrere Reaktionen so beeinflusst, dass diese verlangsamt, gehemmt oder verhindert werden.

Am 13. November 2000 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde bekannt, dass Novo Nordisk wird in drei separate Firmen unter dem Dach der Novo-Gruppe (Novo Holdings A/S) aufgespalten: Novo Nordisk A/S, Novozymes A/S und NNIT. Die Novo Holdings gehört der Novo Nordisk Foundation und ist Hauptanteilseigner der drei eigenständigen Unternehmen.

2001 bringt Novo Nordisk “InDuo” auf den Markt, das weltweit erste kombinierte Blutzuckermessgerät und Insulininjektionssystem.

Im Jahre 2007 eröffnete Novo Nordisk in Montes Claros in Brasilien seine größte Insulinproduktionsanlage außerhalb Dänemarks.

2010 brachte das Unternehmen “NovoPen Echo” auf den Markt, ein neuer “Insulinstift”, speziell für Kinder entwickelt. Der “Stift” enthält eine Speicherfunktion und es lässt sich Insulin noch besser in der Menge dosieren.

Quelle der Grafik: novonordisk.nl

Das Logo bzw. die Entwicklung des Logos von Novo Nordisk ist der Stiergott “Apis”, eines der im alten Ägypten verehrten Tiere. Es ist eine Darstellung einer Skulptur aus den Jahren 664-323 v. Christus und soll den Gegensatz von Leben und Tod sowie Tag und Nacht.

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Geschäftsmodell / Produkte

Das Unternehmen Novo Nordisk ist in vielen verschiedenen Bereichen tätig und besitzt ein breites Portfolio welches sich aus vier Kernbereichen zusammensetzt:

  1. Diabetes Care
  2. Obesity Care
  3. Haemophilia
  4. Growth disorders
  5. Other Biopharm

Wir werden nun genauer auf die oben genannten Geschäftsfelder eingehen, damit du einen besseren Überblick über das Produktportfolio bekommst.

1. Diabetes Care

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Die beiden wichtigsten Formen sind der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes. Im folgenden werden wir kurz auf die Unterschiede eingehen und dir erklären welche Produkte Novo Nordisk in diesem Bereich anbietet.

Der Typ-1 Diabetes tritt erbbedingt auf und beginnt meist schon im Kindes oder Jugendalter. Hierbei tritt ein absoluter Mangel an dem körpereigenen Hormon Insulin auf. Ursache ist meist eine Fehlreaktion des Immunsystems, welche das Absterben von Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse auslöst. Der Blutzucker kann somit nicht richtig abgebaut werden und die Patienten müssen sich Insulin spritzen.

Der Typ-2 Diabetes entsteht durch ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung oder Übergewicht. Der ungesunde Lebensstil führt durch dazu, dass sich zu viel Glukose im Blut befindet. Die meisten Diabetiker leiden an Typ-2-Diabetes. Neben regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer gesunden Ernährung helfen spezielle Medikamente, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Manchmal sind aber auch bei Typ-2-Diabetes Insulinspritzen notwendig.

Weltweit leben im Moment etwa 463 Millionen Menschen mit Diabetes. Diese Zahl könnte aber auch noch viel höher sein, da vielen Studien zur Folge nur 1 von 2 Diabetikern nicht weiß, dass er diese Krankheit hat. Novo Nordisk blickt hier also auf einen riesigen Markt, der bis 2040 auf 640 Millionen Diabetiker anwachsen könnte. Momentan ist Novo Nordisk absoluter Marktführer in der Diabetes Pharmazie mit einem weltweiten Marktanteil von 29%. Langfristig möchte das Unternehmen diesen Anteil auf 33% erhöhen. Den meisten Umsatz mach das Unternehmen mit dem Insulin Geschäft. Dieses Geschäft ist sehr profitabel, da es stetige Cashflows garantiert und Jahr für Jahr wir mehr Insulin verkauft. In der gleichen Zeit ist Novo Nordisk dabei eine Stammzellentherapie für Diabetes Patienten mit dem Typ-1 zu entwickeln, um diese Patienten dauerhaft zu heilen.

Produkte: Humaninsulin, Insulinpens

Das Produktportfolio könnte in den nächsten Jahren im Bereich der Diabetes Behandlung noch durch ein spannendes Produkt ergänzt werden. Wir sprechen hier von dem Medikament Rybelsus, welches ein Diabetes Medikament zur oralen Einnahme ist. Allein dieses Medikament könnte in der Zukunft 7 Mrd. Dollar in den USA einbringen. Rechnet man das auf die gesamte Welt hoch, dann könnte dieses Medikament ein absoluter Gamechanger werden. Das Medikament befindet sich aktuell in der 4. Phase der Entwicklung und könnte bald auf den Markt kommen.

Diabetes Care Pipeline / Quelle: Geschäftsbericht 2019

2. Obesity Care

Übergewichtige Menschen

Das Thema Übergewicht gerät leider immer mehr in den Fokus. Immer mehr Menschen werden übergewichtig heute. Das kommt einerseits durch die schlechte Ernährung in Kombination mit wenig Bewegung und andererseits kann es auch noch andere Gründe geben für akutes Übergewicht. Zur Lösung dieses Problems entwickelt Novo Nordisk Behandlungsmethoden und Medikamente, die den Gewichtsverlust beschleunigen können. Das Bekannteste Mittel aus dem Hause Novo Nordisk ist GLP-1 ,welches die 3 Hormone Ghrelin, Leptin und Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) enthält. Die Kombination dieser 3 Hormone reguliert den Appetit und kann bei einer Langzeitbehandlung zu einer langfristigen/stetigen Gewichtsabnahme führen. Das Medikament wird unter dem Name Saxenda vertrieben. Novo Nordisk forscht intensiv in diesem Bereich und hat im Moment die folgenden Obesity Medikamente in der Pipeline:

Hier sieht man, welche Medikamente momentan im R&D sind.
Quelle: Geschäftsbericht 2019

3. Haemophilia

Hämophilie ist eine seltene und schwerwiegende angeborene X-Chromosomen-Blutungsstörung, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes beeinträchtigt. Das Bedeutet für Menschen, die an dieser Krankheit leiden, dass sie länger bluten als andere Menschen und somit bei kritischen Verletzungen deutlich mehr Blut verlieren.

Schätzungen zufolge ist etwa 1 von 10.000 Menschen von Hämophilie betroffen, weltweit leben 450.000 Menschen mit Hämophilie. Die gute Nachricht ist, dass man diese Krankheit mittlerweile sehr gut behandeln kann.

In diesem Bereich bietet Novo Nordisk folgende Produkte an: NovoSeven, Esperoct, Refixia

4. Growth disorders

Hier sieht man einen kleinwüchsigen Mann

Etwa 2 von 10.000 Kindern werden mit einer Wachstumshormonstörung geboren. Bei der Mehrheit der Menschen werden die Wachstumshormone in der Hypophyse des Gehirns produziert. Gibt es hier aber eine Störung kann dies verschiedene Folgen mit sich bringen:

  • Probleme mit den Knochen
  • Ungleiche Verteilung/Regulierung von Fett und Muskeln
  • Probleme mit den Organen
  • viele andere Probleme wie beispielsweise allgemeines Unwohl fühlen oder ständige Müdigkeit

Novo Nordisk bietet in diesem Bereich momentan folgendes Produkt an: Norditropin

In der Zukunft sollen noch zwei weitere Medikamente für Wachstumsstörungen auf den Markt kommen: Somapacitan AGHD und Somapacitan GHD

Warum konzentriert sich das Unternehmen genau auf diese Geschäftsbereiche?

Mit dieser Abbildung lässt sich das Geschäftmodell von Novo Nordisk sehr gut zusammenfassen. Das Unternehmen ist breit aufgestellt am Markt mit einer großen Produktpalette. Die Forschung (R&D) von Novo Nordisk sorgt mit neuen Medikamenten in allen genannten Bereichen hierbei für eine weitere Diversifizierung, da für manche Medikament in den nächsten Jahren die Patente auslaufen.

Nun haben wir dir das Unternehmen kurz vorgestellt, die wichtigsten Eckdaten zur Aktie genannt und nun auch noch das Geschäftsmodell genauer erläutert. Nun gehen wir in die Analyse der Finanzkennzahlen über 🙂

Finanzkennzahlen

Im folgenden Abschnitt werden wir genauer auf die Finanzkennzahlen von Novo Nordisk eingehen. Hierbei werden wir dir zuerst die Umsatzverteilung auf die verschiedenen Geschäftsbereiche und Regionen weltweit zeigen. Anschließend werden wir genauer auf die wichtigsten Kennzahlen eingehen und diese dann für dich analysieren.

Nun beginnen wir direkt mit der Umsatzverteilung nach Geschäftsbereich:

Hier sieht man die Umsatzverteilung der Geschäftsbereiche von Novo Nordisk
Quelle: Geschäftsbericht 2019

Wie man direkt erkennen kann macht der Diabetes Geschäftsbereich den größten Anteil mit 80% am Gesamtumsatz aus. Direkt danach kommt die Haemophilia mit 8% und dann noch die Obesity Care und Growth disorders mit jeweils etwa 5%.

Nun zu der Umsatzverteilung nach Region:

Hier sieht man die Umsatzverteilung nach Region
Quelle: Geschäftsbericht 2019

Den größten Anteil am Umsatz hat Nord Amerika mit insgesamt 50%, danach kommt direkt Europa mit 19% und AAMEO (Africa, Asien, Middle East, Oceania) mit etwa 11%. Den Umsatzanteil von mitterweile 11% in China darf man hier natürlich nicht aus und vor lassen.

Nun sind wir genauer auf die Umsatzverteilung eingegangen in den verschiedenen Geschäftsbereichen und Regionen. Wir werden dir nun die wichtigsten Finanzkennzahlen von Novo Nordisk präsentieren:

Kennzahlen

Kennzahlen in DKK201720182019
Umsatz (in Mrd.)111,69111,83122,02
Umsatzkosten (in Mrd.)28,3729,4131,85
EBIT (in Mrd.)48,96747,24852,483
Operative Marge (EBIT/Umsatz)43,8%42,2%43%
Gewinn (in Mrd.)38,13038,62838,951
EPS15,39 (2,07€)15,93 (2,14€)16,38 (2,20€)
kurzfristige Verbindlichkeiten
(in Mrd.)
47,05654,16458,983
langfristige Verbindlichkeiten
(in Mrd.)
5,4844,7669,036
Verbindlichkeiten gesamt
(in Mrd.)
52,54058,93068,019
Bilanzsumme102,355110,769125,612
EK-Quote48,6746,8%45,85%
Dividende je Aktie7,85 (1,06€)8,15 (1,10€)8,35 (1,12€)
Ausschüttungsquote51,2%51,4%50,9%
Quelle: Geschäftsbericht 2019 und teilweise selber berechnet. Keine Haftung für Fehler!

Bilanzanalyse

Das Unternehmen hat nicht nur ein spannendes Geschäftsmodell, sondern auch die Kennzahlen sehen auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Nun werden wir etwas mehr ins Detail gehen, um die Kennzahlen anschließend besser bewerten zu können. Bevor wir genauer auf die Kennzahlen eingehen möchten wir dir noch eine Übersicht vorstellen über die Marktveteilung im Diabetesmarkt:

Marktverteilung nach Umsatz (Diabetes)
Novo Nordisk Anteil am Diabetes Markt

Der Gewinn je Aktie (EPS) konnte von 2017 auf 2018 um 3,3% gesteigert werden und von 2018 auf 2019 um 2,7%. Das ist auf den ersten Blick nicht wirklich beeindruckend schaut man sich aber die Konkurrenz Eli Lilly oder Sanofi an sieht man, dass Novo Nordisk sich beim Gewinn je Aktie auf den betrachteten Zeitraum am besten entwickelt hat. Einen Dreijahreszeitraum sollte man hier jedoch nicht als Bewertungsmaßstab ansetzen. Im Jahr 2013 lag der Gewinn je Aktie noch bei 1,26€. In 6 Jahren hat sich der Gewinn je Aktie folglich fast verdoppelt.

Das gleiche gilt für den Umsatz. Dieser ist in den letzten 3 Jahren auch eher verhalten gestiegen. Betrachtet man aber einen größeren Zeitraum, dann sieht man, dass der Umsatz sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt hat. Der steigende Umsatz ist aber kein Indikator für ein Profitables Geschäftsmodell. Hierzu muss man sich dann genauer die Umsatzkosten anschauen und wie stark diese ansteigen bei steigenden Umsätzen. Die Umsatzkosten sind von 2017 auf 2018 um 3,5% gestiegen, obwohl der Umsatz lediglich um 0,1% gestiegen ist. Von 2018 auf 2019 sind die Umsatzkosten um 7,66% gestiegen bei einem Umsatzwachstum von 8,35%. Man kann also sagen, dass die Umsatzkosten nicht überproportional zum Umsatz gestiegen sind.

Nun haben wir den Umsatz genauer betrachtet. Wie viel bleibt nun aber letztendlich vom Umsatz an Gewinn übrig. Hierfür berechnen wir die Nettomarge (Gewinn/Umsatz) von Novo Nordisk. Die Nettomarge lag in den letzten 3 Jahren bei etwa 34%. Die Konkurrenz Eli Lilly erzielt hier deutlich niedrigere Nettomargen von etwa 20% im Mittel. Sanofi erzielte sogar noch eine deutlich niedrigere Nettomarge von 11% im Durchschnitt über die letzten 3 Geschäftsjahre.

Die Schuldensituation von Novo Nordisk sieht alles in allem auch nicht wirklich tragisch aus. Das Unternehmen hat in den letzten 3 Jahren zwar seine EK-Quote gering gesenkt, aber diese liegt im Mittel dennoch bei etwa 46%. Von einer Überschuldung oder hohen Verschuldung kann man hier auf jeden Fall nicht sprechen. Was man aber im Hinterkopf behalten sollte ist der hohe Anteil an kurzfristigen Verbindlichkeiten von Novo Nordisk im Vergleich zu den langfristigen Verbindlichkeiten. Hier sollte man gegebenenfalls nochmal etwas mehr ins Detail gehen.

Zum Schluss betrachten wir noch die Dividendenentwicklung. Die Dividende von Novo Nordisk ist in den letzten Jahren um durchschnittlich 11,3% gewachsen. Man kann aber sehen, dass die Dividende nicht gleichmäßig gewachsen ist, da in den letzten 3 Jahren die Dividende lediglich um 3,5% p.a. gesteigert wurde. Die Ausschüttungsquote von Novo Nordisk ist unserer Meinung nach grundsolide mit 51%. Damit bleibt dem Unternehmen am Ende noch Luft, um den übrig gebliebenen Gewinn profitabel im Unternehmen anzulegen.

Nun haben wir dir Bilanzkennzahlen genauer für dich analysiert und im nächsten Abschnitt werden wir die Pro und Contra Argumente für oder gegen ein Investment in Novo Nordisk auflisten.

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Pro und Contra

Pro

  • Top Kursentwicklung in Bezug auf die letzten Jahre
  • Weltmarktführer von Diabetes-Arzneimitteln
  • Bereiche: Diabetes, Hämophilie, Wachstumshormontherapie oder Hormonersatztherapie
  • Spezialisiert auf Hormon- und Gerinnungsfaktoren
  • Produkte: Insulin, Wachstumshormone sowie Oestrogen- und Gestagenpräparate
  • Dividendenwachstum jährlich um ca. 10%
  • jährlich nimmt die Zahl der Diabeteserkrankten zu
  • zunehmendes Lebensalter der Menschen
  • demografische Entwicklung
  • Trend zum Bewegungsdefizit und Übergewicht durch fortschreitende Digitalisierung, Automatisierung, Urbanisierung und körperlose Mobilität
  • guter Ruf des Unternehmens (Nachhaltigkeit, bei MA) und der Medikamente

Contra

  • abhängig vom US-Markt, da hier hoher Umsatz erzielt wird (>50%)
  • fast nur Insulinprodukte
  • US-Markt hat bei negativer Preisentwicklung großen Anteil auf Kennzahlen
  • auslaufender Patentschutz birgt natürlich Gefahr
  • Verlust von Marktanteilen durch Wettbewerber wie: Sanofi, Pfizer, AstraZeneca oder Eli Lilly
  • Diabetesgeschäft mit 80% Anteil am Gesamtumsatz
  • Quellensteuer auf Dividenden von 27% für Dänemark

Fazit

Zusammenfassen kann gesagt werden, dass Novo Nordisk mit seinem bisherigen Geschäftsmodell und Produktportfolio eine sehr gute Vergangenheit hatte. Das Geschäftsmodell scheint derzeit noch sehr rentabel zu sein, dafür spricht auch die Analyse der Bilanz. Natürlich ist die Zukunft nicht vorhersagbar und für jedes Investment entscheidend. Sicherlich gibt es an der einen oder anderen Stelle berechtigte Zweifel, ob an dem Erfolg der Vergangenheit zukünftig weiterhin angeknüpft werden kann. Steigende Konkurrenz wegen ausgelaufenen Patenten, Kostendruck getrieben durch den Hauptmarkt USA und die Frage, ob die Produktpipeline weiterhin in den nächsten Jahren erfolgreich angenommen wird. Unsicherheiten wird es immer mal wieder geben, da kein Investment zu 100% sicher ist, deshalb ist der Kurs der Aktie zwischenzeitig leicht eingebrochen und es kam zu einem seitwärtstrend der Aktie.

Nichtsdestotrotz führt Wohlstand, eine längere Lebenserwartung, der technologische und medizinische Fortschritt, sowie der allgemeine demografische Wandel dazu, dass leider nach wie vor immer mehr Menschen an Diabetes erkranken, wo logischerweise Novo Nordisk daran profitiert. Daher wird die Nachfrage nach Behandlungen durch Insulin kontinuierlich weiter steigen, allerdings wie bereits erwähnt schläft der Wettbewerb nicht und die Frage ist vielmehr, wie profitabel dann noch Novo Nordisk ist bzw. arbeitet.

Bezüglich Corona hat es Novo Nordisk ebenfalls bisher ganz gut durch die Krise geschafft. Rückblickend betrachtet gab es somit Mitte März 2020 einen recht guten Einstiegszeitpunkt.

Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei ca. 2,1%. In Dänemark wird aktuell eine Quellensteuer von 27%  fällig, die zu 15% anrechenbar sind. Die restlichen 12% können auf Antrag erstattet werden.Dieser kann inzwischen auch online gestellt werden.

Aufgrund von Betrügereien bezüglich der Steuer ist jedoch schon seit längerer Zeit mit extrem langen Wartezeiten bei der Erstattung zu rechnen.

Novo Nordisk kommt derzeit für uns für ein breit diversifiziertes und langfristiges Depot in Frage. Entweder als Wertpapiersparplan oder in Form einer Einmalinvestition/ Direktinvestition.

Vielen Dank, dass du die Novo Nordisk Vorstellung und Analyse bis zum Ende gelesen hast. 🙂

Wir können dir die folgenden Unternehmensvorstellungen und Analysen empfehlen:

Außerdem würden wir uns freuen, wenn du mal in unseren gemeinsamen Podcast “Finanzen.Parkett” reinhörst. 🙂



Bis zum nächsten Mal!

Jannik der Finanzenfuchs

Gerrit der Parkett.Hirsch

Disclaimer: Bei dieser Aktien Vorstellung & Analyse soll es sich in keinem Fall um eine Anlageberatung gehen. Es handelt sich hier lediglich um unsere eigene Meinung und diese kann auch falsch sein. Wir wollen hier niemanden zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder ähnlichen Finanzprodukten bewegen!

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